Unternehmenssicht (interne Komplexität, Variantenbaum)
Ist die externe Sicht des Marktes auf das Produkt nun hinreichend beleuchtet und jede Variante hinterfragt, gelangt man schließlich zu einem Produktspektrum, das am Markt aktiv angeboten werden soll. Die interne Sicht, die mit dem Complexity Manager Modul V (dt. Variantenbaum oder engl. Variant Tree) unterstützt wird, geht nun der Frage nach, wie man jetzt diese geforderte Vielfalt möglichst schlank durch die Fabrik schleusen soll. Hier lautet der Leitsatz „So wenig Teile wie möglich, so viele wie nötig“.
Wie in der Abbildung deutlich wird, können im System schrittweise die Teilevarianten, die benötigt werden, in der
Reihenfolge ihres Verbaus entlang der Montagelinie entsprechend ihrer Verwendung zugeordnet werden.
Selbstverständlich können entsprechende Daten auch via Schnittstelle in Modul V importiert werden.
Die Übersicht im schlussendlich vollständigen Variantenbaum gibt z. B. Aufschluss über besonders variantentreibende Bauteile, sie verdeutlicht, an welcher Stelle der Montagelinie die eigentliche Varianz entsteht und welche Baugruppen und Bauteile sich aus Sicht der Variantenoptimierung für eine Vormontage eignen oder gar ausgelagert werden sollten. Darüber hinaus lassen sich gerade im Falle der Planung von Neuprodukten frühzeitig Aussagen über die „drohende“ Teilevielfalt und -menge treffen, was die Materialbedarfsermittlung unterstützt.
Als Simulationsbeispiele sind folgende Punkte zu nennen:
-
Auswirkungen einer Vereinheitlichung von Bauteilen (Integralteil) auf die Vielfalt unterschiedlicher
Halberzeugnisse entlang der Montagelinie
-
Mögliche Umstellungen der Montagereihenfolge zur optimalen Verschiebung des Variantenentstehungspunktes
-
Auswirkungen durch den Wegfall einzelner Varianten oder Ausprägungen aus dem Merkmalbaum auf die Teile- und
Erzeugnisvielfalt im Variantenbaum.
Es zeigte sich außerdem, dass der Variantenvermeidung grundsätzlich Priorität vor der Variantenbereinigung eingeräumt werden sollte, da sie größere Hebelwirkungen hinsichtlich Einsparungspotenzialen aufweist. Frühzeitig im Planungsstadium integriert, hilft das Variantenmanagement, unnötige Investitionen in Infrastruktur, Werkzeug und Maschinen zu vermeiden.
Bei der damit verbundenen rechtzeitigen Entdeckung potenzieller Nullläufer-Varianten durch Verrechnung der Absatzprognosen auf die einzelnen Varianten der zu planenden Produktfamilie werden darüber hinaus nicht benötigte Entwicklungsaufwände vermieden.